Nachdem es schon grosse Sorge gab, kann ich alle nur beruhigen: Ich lebe noch!
Erstmal das Wichtigste vorneweg: weil ich so lange nichts geschrieben habe und meine lieben Blog-Leser nicht enttaeuschen will, habe ich mich nur fuer euch – selbstlos wie ich bin – entschieden laenger hier zu bleiben. Mein Flug geht also nicht gestern, sondern erst am 12.Mai. Bis dahin bleibe ich hier in Delhi und geniesse die Zeit mit meinem Freund.
Seit dem letzten Eintrag ist einiges passiert. Erst ging es von Delhi aus nach Khajuraho - erotische Tempel besichtigen und vor der Sonne verstecken. Von dort zurueck und weiter in den Himalaya. Und nach fast einer Woche Berg-Idylle bei 15 Grad wieder zurueck ins heisse Delhi. Aber der Platz ist knapp und darum muss der Fokus auf ein Thema verkleinert werden und ich entscheide mich fuer… Krankheiten! Schliesslich bin ich Apothekertochter
Also zurueck zum Anfang. In Khujaraho hatten wir sagenhafte 47 Grad im Schatten und da hat selbst mein sonnenerprobter Kreislauf an einem Nachmittag einfach schlapp gemacht. Trotz A/C lag ich eine Stunde leidend auf dem Bett und musste einem besorgten Kaushal mehrfach glaubhaft versichern, dass ich auch wirklich keinen Arzt brauche.
Nach dieser Hitze in die kalten Berge zu fahren, schien da eigentlich eine wunderbare Idee. Aber ich halte Hitze tatsaechlich besser aus als Kaelte - deswegen muss ich mich auch immer ein bisschen auslachen lassen, wenn ich im klimatisierten Zug oder Kino meine Socken und warmen Pullis auspacke… Kaum waren wir also im kuehlen Dhanolti angekommen, hatte ich auch schon eine laufende und dazu blutige Nase – echt ein seltsamer Schnupfen (nein, es war kein Ebola
). Alles halb so schlimm! Doof war nur, dass ich mir ein paar Tage vorher in Delhi mein Knie an einer Auto-Rikscha angehauen hatte und immernoch humpelte. Das stand richtigen Wanderungen natuerlich im Weg… Aber sehr schoen war, dass es beim Treppensteigenhelfen Gelegenheit zum Haendchenhalten gab (was hier in Indien uebrigens schon als sexueller Akt gewertet wird *huiuiui*).
Statt Wandern schien ein kurzer Ausflug auf dem Pferd eine gute Idee zu sein. Wie gesagt: “schien”. Leider bekam ich kein richtiges Pferd, sondern ein total junges Muli das unter mir genauso nervoes hin und her taenzelte wie ich oben nervoes im Sattel sass. Den Berg rauf war noch alles in Ordnung, bis die geballte Inkompetenz von Pferdchen und Fuehrer mein linkes Bein kurz vor dem Gipfel in direkten Kollisionskurs mit einem Baumstumpf am Wegesrand brachte… *raaatsch* und schon war die letzte Jeans zerrissen und an meinem Schienbein prangte ein blutiger 15 cm langer Schnitt. Daraufhin hab ich das getan, was ich in solchen Faellen immer tue: erstmal das Blut abgetupft, dann ueber das korrekte Desinfizieren gesprochen und dann in Ohnmacht gefallen. Da sass ich aber zum Glueck schon nicht mehr auf dem Pferd. Fuer mich ja nichts neues, aber Kaushal hat den Schreck des Jahrhunderts bekommen – ich war offensichtlich der erste Mensch, der vor seiner Nase in Ohnmacht gefallen ist. Da kann man schon mal Angst kriegen (zumal wenn man mit einem kreidebleichen, blutenden Maedchen abseits der Zivilisation auf einem schwer zugaenglichen Berggipfel festsitzt).
Hinterher stellte sich raus, dass alles halb so schlimm war. Ich werde wohl eine ordentliche Narbe behalten, aber dank der passenden Reiseapotheke gab es keine Entzuendung und irgendwie hat es zum Glueck eine nicht so schmerzhaften Teil meines Beins erwischt. Die unfaehigen Pferde-Wallas hatten uebrigens ihre eigene Theorie laut der ich (welch Wunder) selber schuld war: Ich habe die Goettin des Berges beleidigt indem ich ein weisses Shirt (uebrigens unter meinem Pulli) trug! Welch Frevel! Also musste ich 10 Rupien rausruecken, die auf den Gipfel gelegt wurden, um sie wieder zu besaenftigen…
Oh, jetzt muss ich schnell los – Waesche waschen! Aber nur so viel: der Weg zurueck nach Delhi war nochmal gesaeumt mit einer ordentlichen Magenverstimmung (halbgefrorenes Eis im Zug essen ist eben doch IMMER eine doofe Idee). Aber ansonsten: Alles paletti!
5. Mai 2010 um 11:38 |
Erstaunlich, wie subtil du die wichtigsten Informationen in Nebensätzen versteckst
Ich freue mich, wenn du zurückkommst! Auch der hohe Norden vermisst dich und bald mal wieder telefonieren!